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Kapitel 1

Alles war, wie es immer war in der Ponyschule im magischen Land über den Wolken. Immer war alles so, wie es immer war in der Ponyschule. Toni das Pony seufzte, während es sich die Zähne putzte, seine Mähne kämmte und das Maul wusch. Genau so, wie das kleine Pony es gestern gemacht hatte. Und vorgestern. Und am Tag davor.  

 

Draußen auf der Trabbahn liefen alle Ponys im Kreis. Genauso wie immer. Sie übten zu traben. Toni hasste das. Weil es nicht so gut traben konnte und weil es es ganz einfach fürchterlich langweilig fand.  

 

Toni fing an, laut zu denken – das machte es manchmal: „Es muss noch etwas anderes im Leben geben, als im Kreis zu traben. Und im gleichen Takt.“ Plötzlich stieß Toni auf das Pony vor ihm. Es war mit einem Ruck stehen geblieben.  

 

„Was hast du gesagt?“, riefen die anderen Ponys im Chor. Loni, Conni, Ronni und all die anderen. Toni wurde rot. Eigentlich sollten die anderen nicht hören, was es laut gedacht hatte. Doch jetzt gab es kein Zurück.  

 

„Nun ... Habt ihr nie daran gedacht, dass es noch andere Dinge geben muss, die man machen kann, als den ganzen Tag über im Takt zu traben?“ 

„Man wacht auf, man frisst, man trabt, man schläft. So ist das immer gewesen und so wird es immer sein“, antworteten die anderen Ponys wie mit einer Stimme.  

„Aber was, wenn ich jetzt etwas anderes will?“, probierte Toni.  

„Man wacht auf, man frisst, man trabt, man schläft. So ist das immer gewesen und so wird es immer sein“, antworteten die anderen Ponys wieder nur. Und dann fingen sie wieder an zu traben. Doch Toni blieb einfach stehen.  

 

Nach einiger Zeit sahen die anderen Ponys, dass Toni nicht mit trabte. Sie blieben stehen.  

„Warum trabst du nicht?“ 

„Ich habe keine Lust. Ich möchte etwas anderes machen.“ 

Johnni, das graueste Pony, das am besten traben konnte von allen, ging auf Toni zu.  

„Was möchtest du dann?“ 

„Ich möchte hinausziehen und die Welt sehen.“ 

„DAS darfst du dir nicht wünschen!“ 
„Warum nicht?“, fragte Toni.  

„Hier in der Ponyschule weiß man, was man hat. Die Welt dort draußen ist groß und böse und gefährlich.“ 

„Das möchte ich gern selber rausfinden“, sagte Toni.  

Alle wurden ganz still. Johnni wieherte und lachte leise.  

„Oh ja. So mutig bist du? Vielleicht möchtest du auch losziehen und gegen den Drachen Drago kämpfen?“ 

Die anderen Ponys wieherten und lachten laut. Alle wussten, dass Drago die gefährlichste Bestie auf der ganzen Welt war und niemand – niemand! – es wagen würde, gegen ihn zu kämpfen.  

Toni schluckte.  

„Ja, genau das werde ich tun.“ 

 

Und dann packte Toni eine Tasche und zog los. Hinaus in die Welt, um gegen den gefährlichen Drachen zu kämpfen.  

 



Kapitel 2

Wenn Toni ganz ehrlich sein sollte, dann war das mit dem gefährlichen Drachen vielleicht noch nicht ganz zu Ende gedacht. Doch was man verspricht, das muss man halten. Besonders, wenn man es sich selbst versprochen hat. Toni das Pony machte sich also auf den Weg. Hinaus in die Welt, um alles das zu erkunden, was es im magischen Land über den Wolken zu erkunden gab.  

 

Toni kam durch einen Wald. Einen dunklen, etwas unheimlichen Wald. Nach kurzer Zeit kam es an eine Brücke, die über einen Fluss führte. Toni dachte sich nichts dabei und lief über die Brücke, als plötzlich ein Ninja vor ihm auftauchte.  

 

„Was glaubst du eigentlich, was du da machst?“ 

„Ich laufe einfach über eine Brücke“, sagte Toni.  

„Nein, so geht das nicht! Ich bin nämlich der Wächter der Brücke“, sagte der Ninja und klang sehr wichtig.  

„Oh, das klingt spannend. Was bedeutet das denn?“, fragte Toni.  

„Das bedeutet, dass ich die Brücke bewache. Und dafür sorge, dass nicht Hinz und Kunz einfach darüber laufen.“ 

Toni dachte kurz nach. Es fand, dass es nicht Hinz und Kunz war. Es war Toni und es war auf dem Weg in ein Abenteuer.  

„Natürlich sollen nicht Hinz und Kunz einfach darüber laufen. Doch darf ich bitte über die Brücke gehen?“, fragte es dann.  

Der Ninja machte einen merkwürdigen Grunzlaut mit der Nase.  

„Sag mal, weißt du überhaupt nichts über Brückenwächter?“ 

„Nein, eigentlich nicht“, räumte Toni ein.  

„Ich habe zum ersten Mal die Ponyschule verlassen. Da kann es bestimmt viele Dinge geben, von denen ich nichts weiß.“ 

Der Ninja schüttelte den Kopf.  

„Um über die Brücke gehen zu dürfen, musst du eine Frage beantworten. Eine schwere Frage! Eine ... superschwere Frage!“ 

„Oh je, ich hoffe, dass ich das kann“, sagte Toni.  

 

Toni blickte den Ninja an. Der Ninja blickte Toni an. Für einige Zeit sagte keiner ein Wort.  

„Nun ... Wie lautet die Frage?“ 

„Einen Augenblick, ich muss schnell eine finden. Hier kommt nicht so oft jemand vorbei und ich bin etwas aus der Übung.“ 

Toni setzte sich und wartete geduldig.  

 

Plötzlich machte der Ninja einen Satz.  

„Ja! Jetzt hab ich es. Das ist eine superschwere Frage. Bist du bereit?“ 

Toni nickte.  

„Was ist ... deine Lieblingsfarbe?“ 

„Oh, das ist aber wirklich schwer“, sagte Toni. „Was ist deine, Ninja?“ 

„Schwarz natürlich!“ 

„Aha. Ich mag besonders hellrot. Oder ... nein, warte. Orange! Nein ... Grün! Ich sage grün.“ 

„Du darfst aber nicht einfach alle möglichen Farben aufsagen. Ich bin der Wächter der Brücke und ich verlange eine klare Antwort.“ 

„Grün“, sagte Toni mit fester Stimme. 

„Das ist in Ordnung. Dann darfst du gern über die Brücke laufen“, sagte der Ninja. „Aber – wohin möchtest du eigentlich gehen?“ 

„Ich bin unterwegs, um den Drachen Drago zu finden und gegen ihn zu kämpfen.“ 

Der Ninja wurde ganz blass.  

„Das ist aber keine gute Idee. Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer! Vielleicht solltest du einfach hier bei mir bleiben. Dann könnten wir mit Ninjasternen werfen und alle möglichen anderen Ninjadinge machen.“ 

Toni lächelte und schüttelte mit dem Kopf.  

„Das ist lieb von dir, Ninja, aber ich habe mir selbst versprochen, den Drachen Drago zu finden. Und das mache ich jetzt auch. Aber es kann sein, dass wir uns einmal wiedersehen.“ 

 

 

Kapitel 3

Von dem Hin und Her mit dem Brückenwächter-Ninja und der Beantwortung der schweren Frage war Toni ganz hungrig geworden. Deshalb beschloss es, die Brotdose zu öffnen, die es mitgenommen hatte.  

 

Das kleine Pony fand einen Platz im Wald, an dem einige große Felssteine lagen, auf denen man sitzen konnte. Die Sonne schien warm zwischen den hohen Bäumen hindurch. Toni packte sein Essen aus und wollte gerade in ein Brötchen beißen, als es ein Geräusch hinter einem Busch hörte.  

 

„Psst!“ 

Toni schaute auf den Busch.  

„Psst!“, hörte es wieder.  

Das war aber merkwürdig. Toni stand auf und blickte hinter den Busch. Dort befand sich der Eingang zu einer Höhle und in der Höhle konnte Toni zwei leuchtende Augen sehen.  

„Äh ... Hallo?“  

Toni hatte noch nie so merkwürdige Augen gesehen. Oder mit jemandem gesprochen, der sich in einer Höhle versteckte. Deshalb wusste es nicht so genau, was es sagen sollte.  

„Hallo“, flüsterte die Stimme aus der Höhle.  

„Hast du etwas zu essen?“ 

„Ja. Wenn du hinaus in die Sonne kommst, können wir uns mein Essen teilen“, sagte Toni. Das Pony fand, dass es nett wäre, etwas Gesellschaft beim Essen zu haben.  

Die Augen kamen etwas näher. Toni konnte jetzt sehen, dass sie zu einem bleichen, dünnen Vampir gehörten.  

„Das geht nicht. Ich bin nämlich ein Vampir“, sagte der Vampir.  

„Ach ja?“, sagte Toni.  

„Ja, wir vertragen kein Licht. Überhaupt kein Licht. Deshalb kann ich tagsüber nicht hinausgehen und etwas zu essen suchen. Und im Dunkeln fürchte ich mich etwas. Und deshalb kann ich auch nachts nicht hinausgehen.“  

„Oh je. Das ist aber nicht schön. Aber wenn du hier im Schatten der Bäume bleibst, kann ich mich daneben in die Sonne setzen und wir können uns mein Essen teilen. Ich habe Brötchen und Mandarinen und alles Mögliche dabei“, sagte Toni.  

Und so setzten sie sich nebeneinander und kauten ihr Essen.  

„Ich bin übrigens unterwegs, um den Drachen Drago zu finden. Weißt du, in welche Richtung ich gehen muss?“, fragte Toni dann.  

Der Vampir verschluckte sich fast an einer halben Banane.  

„Drago? Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer und er frisst Menschen und Tiere. Halte dich bloß von ihm fern!“ 

„Ja, das sagen alle. Und trotzdem möchte ich ihn finden“, sagte Toni.  

„Nun, wenn es sein muss! Du musst in diese Richtung laufen“, sagte der Vampir und zeigte tiefer in den Wald.  

„Vielen Dank! Kann sein, dass wir uns bald wiedersehen“, sagte Toni. Das Pony stand auf, nahm seinen Rucksack und lief tiefer in den Wald hinein.  

 

Toni war aber nicht weit gekommen, als es anfing zu bereuen, dass es nicht zu Hause geblieben war. Zu Hause in der sicheren Ponyschule. Es wurde immer dunkler und Nebel zog auf. Und plötzlich hörte es ein heiseres und hässliches Lachen. Direkt vor ihm ... 



Kapitel 4

Toni lief es kalt den Rücken herunter, als im dunklen Wald schon wieder das heisere und hässliche Lachen zu hören war. Und weil Ponys einen sehr langen Rücken haben, war es wirklich sehr kalt.  

 

„Was mag das sein? Und kann ich nicht einfach umkehren?“, dachte Toni. Doch bevor es sich selbst eine Antwort geben konnte, stand eine Hexe vor ihm im Wald.  

Die Hexe lachte laut und widerlich auf.  

„Hier kommst du nicht vorbei, mein Freund!“ 

„Aber...“, versuchte Toni, doch die Hexe fiel ihm ins Wort, bevor das Pony mehr sagen konnte.  

„Nicht, bevor du mir alle deine Sachen gegeben hast!“ 

„Na gut. In Ordnung“, sagte Toni und nahm seinen Rucksack ab.  

„Was ... was machst du da?“, rief die Hexe.  

„Ich gebe dir alle meine Sachen.“ 

„Nein, so geht das nicht! Du musst protestieren und sagen, dass du das nicht tust, und ich muss dir damit drohen, dich zu verhexen und in einen Stein oder eine Fahrradpumpe oder irgendetwas anderes Unangenehmes zu verwandeln!“ 

„Ach ja…“, sagte Toni.  

„Entschuldige bitte. Das ist das erste Mal, dass ich hier im Wald bin, und das erste Mal, dass ich einer Hexe begegne. Deshalb weiß ich nicht genau, wie man sich verhalten soll. Doch wenn du unbedingt alle meine Sachen bekommen möchtest, dann kannst du sie gerne haben. Ich möchte aber nicht in eine Fahrradpumpe verhext werden.“ 

 

Toni fing an, Sachen aus seiner Tasche zu kramen. Sein Halstuch, sein Notizbuch, sein Schwert und alle möglichen anderen Sachen.  

„Hier.“  

Toni reichte der Hexe seine Sachen, aber sie schüttelte nur den Kopf. Sie war sehr verärgert.  

„Wenn es so ist, möchte ich die Sachen nicht mehr.“ 

Toni fand, dass die Hexe ein wenig merkwürdig war. Doch er zuckte mit den Schultern und fing an, die Sachen wieder in die Tasche zu packen. Das Pony musste sich richtig abmühen, um alles wieder hineinzustopfen.  

„Vielleicht kannst du mir mal helfen? Ich bin unterwegs, um den Drachen Drago zu finden und gegen ihn zu kämpfen. Kennst du den Weg? Ich weiß nicht, in welche Richtung ich muss.“ 

Die Hexe sperrte ihre Augen weit auf.  

„Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer und er frisst Menschen und Tiere UND er mag keine Limonade! Ist das nicht unheimlich?“  

„Ja. Sehr unheimlich. Aber ich habe mir selbst versprochen, dass ich ihn finde. Kannst du mir den Weg zeigen?“, fragte Toni.  

Die Hexe ließ wieder ihr abscheuliches Hexengelächter hören.  

„Ja, das kann ich. Aber ich sage es dir erst, wenn du mir alle deine Sachen gegeben hast!“ 
„Aber…“, stotterte Toni.  

„Kein Aber. Du hast mir nicht alle deine Sachen gegeben und deshalb mag ich dir nicht den Weg zeigen.“ 

Die Hexe lachte wieder, drehte sich um und ging weg.  

 

Toni seufzte. Das Pony verstand nicht ganz, was es falsch gemacht hatte. Es stopfte alle seine Sachen in den Rucksack, um den Reißverschluss zuzuziehen. Dabei bemerkte es plötzlich etwas in der Tasche, das es gar nicht selbst hineingetan hatte. Das war eine Sanduhr. Und ein Brief. Toni riss den Brief auf. Er war von Johnni, dem grauesten Pony, das am besten traben konnte von allen, zu Hause in der Ponyschule.  

 

Im Brief stand:  

„Für Toni. Ich kann verstehen, dass du hinausziehen und sehen möchtest, was es im magischen Land über den Wolken alles gibt. Doch dein Platz ist hier zwischen den Ponys und du kannst immer noch umkehren. Wenn du zurück in die Ponyschule kommst, bevor die Sanduhr abgelaufen ist, kannst du an der Ponyparade teilnehmen, die stattfindet, wenn wir alle fertig ausgebildete Ponys geworden sind. Wenn du es nicht schaffst, wirst du nie wieder ein Teil der Ponygemeinschaft sein.“ 

Toni faltete den Brief zusammen, blickte auf die Sanduhr und schluckte.

Kapitel 5

Toni lief und lief und lief. Währenddessen dachte es darüber nach, was es hier eigentlich machte. Am einfachsten wäre es natürlich, umzukehren und vor der großen Ponyparade in die Ponyschule zurückzukehren. Doch Toni wollte so gerne mehr von der Welt sehen. Und jetzt hatte es auch sich selbst versprochen, dass es den Drachen Drago finden würde. Das musste es jetzt tun. Und DANACH würde es nach Hause galoppieren und die Ponyparade erreichen, damit es nicht alle seine Ponyfreunde verlieren würde.  

 

Während Toni seinen Gedanken nachhing, kam es aus dem dunklen Wald heraus und stand plötzlich mitten auf einem Strand. Und plötzlich sprang ein Cowboy hinter einem Felsen hervor.  

„Hallo, Kumpel!“ 

„Hallo“, antwortete Toni. 

„Ich bin ein Cowboy“, sagte der Cowboy. 

„Ja, das habe ich schon an deinem Cowboyhut gemerkt und an den Cowboystiefeln und am Sheriffstern“, sagte Toni.  

„Stimmt.“ 

„Kannst du mir helfen?“, fragte Toni.  

„Ich möchte den Drachen Drago finden und kenne den Weg nicht. Weißt du, wo er wohnt?“ 

„Uuuhhh, Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer und er frisst Menschen und Tiere UND er mag keine Limonade. Und er ist böse!“  

Toni nickte.  

„Ja, das habe ich auch schon gehört, aber ich möchte ihn trotzdem finden. Weißt du, wo er wohnt? Und kannst du es mir sagen, denn ich habe es ein wenig eilig.“ 

„Ja, ja, natürlich weiß ich, wo er wohnt. Aber darf ich dir zuerst eine Geschichte erzählen? Ich liebe Geschichten!“ 

 

„Ich habe eigentlich keine Zeit ...“, begann Toni, doch der Cowboy sprach einfach weiter: 

„Es war vor vielen, vielen Jahren, da bin ich den ganzen weiten Weg quer durch Amerika geritten, weil ich in eine schöne Goldgräberin verliebt war, die nach Alaska gefahren war, um nach Gold zu suchen, und ich wollte auch nach Alaska, doch es kam wie es kam und mein Pferd hatte schon nach zwei Tagen einen Platten. Und dann ...“  

Toni versuchte mehrmals, den Cowboy zu unterbrechen, aber der Cowboy erzählte und erzählte und erzählte. Er war einfach nicht zu stoppen. Endlich war die Geschichte zu Ende. Toni war sehr ungeduldig geworden und räusperte sich:  

„Eine tolle Geschichte. Aber wir hatten über den Drachen Drago gesprochen ...“ 

 

Der Cowboy unterbrach ihn wieder.  

„Ja, ja, das wollte ich gerade erzählen. Aber möchtest du dir nicht zuerst meine Sachen ansehen? Sieh nur, ich habe einen Hüpfball und eine Schere und einen Jo-Jo und einen Eimer und ...“ 

Toni versuchte wieder, den Cowboy zu unterbrechen, aber er zählte einfach weiter seine Sachen auf. Als er endlich fertig war, sagte Toni schnell: 

„Ich habe es fürchterlich eilig. Kannst du mir nicht einfach erzählen, welchen Weg ich nehmen muss, um Drago zu finden?“ 

„Aber klar. Doch sollen wir nicht zuerst ein Spiel zusammen spielen? Ich habe Vier gewinnt und Mensch ärgere dich nicht und Schach und einige Kartenspiele und ...“ 

Der Cowboy redete einfach weiter. Toni unterbrach ihn mit lauter Stimme: 
„Ich muss jetzt endlich weiter!“  

 

Und Toni lief den Strand entlang. Das kleine Pony wusste nicht genau, wo es war oder in welche Richtung es gehen sollte, aber es war auf jeden Fall wieder unterwegs.  

 

Als Toni eine Weile gelaufen war, verwandelte sich der Strand in eine Wüste. Eine große, heiße Wüste voller Sand. Toni blieb stehen und schaute sich um. Alles, was es sehen konnte, war Sand. Und noch mehr Sand. Vielleicht hatte es sich verirrt. Doch plötzlich kniff es die Augen zusammen. Was war das, das da hinten am Horizont lag? Ein ... Piratenschiff? 

 

Kapitel 6

Toni ging auf das Piratenschiff zu. Es war anstrengend, durch den tiefen Sand zu laufen, und seine Füße fühlten sich schwer an. Das kleine Pony war auch schon den ganzen Tag gelaufen. Es war fast am Schiff angekommen, als es einen großen Knall gab und etwas Schweres direkt neben Toni landete. Eine Kanonenkugel! 

„Aufhören zu schießen, ich habe nur eine Frage“, rief Toni und hoffte, dass ihn jemand hört. Eine heisere Stimme antwortete ihm.  

„Entschuldige bitte, das war nur aus Gewohnheit. Wir Piraten schießen einfach so gerne mit Kanonen auf andere!“ 

„Aha, du bist ein Pirat?“, fragte Toni neugierig und ging näher an das Schiff heran. Oben auf dem Deck des Piratenschiffes stand ein Mädchen mit einer Augenklappe, einem großen Säbel, Ohrringen, ZWEI Holzbeinen und einem Papagei auf der Schulter.  

„Ob ich ein Pirat bin? Darauf kannst du wetten. Ich bin Frieda, die Furchtbare, Herrscherin über die sieben Weltmeere, die Teufelin des Meeres, bekannt und gefürchtet vom Nordpol bis zum Kap der guten Hoffnung!“ 

„Wow. Cool“, sagte Toni.  

„Aber eines will mir nicht in den Kopf. Warum steht dein Piratenschiff mitten in der Wüste?“ 

 

Frieda die Furchtbare sah plötzlich etwas verärgert aus.  

„Und warum bist du in einer Wüste?“ 

Toni antwortete: 
„Ich habe mich wohl verirrt. Ich bin auf der Jagd nach dem Drachen Drago, aber ich weiß nicht genau, in welche Richtung ich gehen soll.“ 

Frieda die Furchtbare riss ihre Augen weit auf.  
„Das ist aber eine schlechte Idee. Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer und er frisst Menschen und Tiere und er mag keine Limonade und er ist böse und er ist so stark, dass er ein Piratenschiff in die Luft heben und in eine Wüste werfen kann!“ 

 

Toni schluckte. Er fand, dass dieser Drago immer schlimmer und schlimmer klang, je mehr er über ihn hörte.  

Frieda nickte nachdrücklich: 
„Ja, genau das ist geschehen. Drago hat mein Schiff ganz einfach hierher geworfen. Und jetzt kann ich nicht mehr auf die sieben Weltmeere hinausfahren und plündern.“ 

„Watashi wa kyandî ga hoshîdesu“, krächzte der Papagei plötzlich.  

„Oh, dein Papagei kann sprechen?“ 

„Ja“, antwortete Frieda stolz.  

„Was hat er denn gesagt?“ 

„Das weiß ich nicht, er spricht nur Japanisch.“ 

„Ach so“, sagte Toni etwas enttäuscht. „Aber Drago? Weißt du, wo er wohnt?“ 

„Ja, du gehst einfach hier weiter“, sagte Frieda und zeigte in eine Richtung.  

 

Toni bedankte sich und lief weiter. Es dachte, dass es diesmal überraschend einfach gewesen war, eine Auskunft zu bekommen. Da fing es an zu wehen. Zuerst stark, dann sehr stark und schließlich wurde aus dem Wind ein Wirbelsturm. Toni wurde in die Luft gehoben und hin und her gewirbelt ...

Kapitel 7

Durch den Wirbelsturm wurde Toni hin und her gewirbelt, mit einer Kraft und einer Geschwindigkeit, die er noch nie erlebt hatte. Gleichzeitig wurde alles Mögliche andere herumgewirbelt – Socken, Bücher, Puzzlesteine, eine Kiste und tausend andere Sachen. Toni versuchte zu verhindern, dass etwas gegen seinen Kopf flog. Und er versuchte, sich nach etwas umzusehen, an dem er sich festhalten konnte.  

 

Plötzlich ließ der Wind nach. Toni klammerte sich an einem Gummiboot fest, das neben ihm her flog. Mit einem ordentlichen Platsch landeten Toni und das Gummiboot in einem Fluss. 

 

„Uff, das hätte böse enden können“, dachte Toni schnell, doch dann merkte es, dass das Gummiboot sehr schnell Fahrt aufgenommen hatte. Und schneller und schneller wurde. Und dass direkt vor ihm ein Wasserfall rauschte. Toni versuchte verzweifelt, mit seinen Hufen zu paddeln, um das Boot ans Ufer zu steuern, doch egal wie sehr er damit paddelte, der Wasserfall kam schnell näher. Toni schloss seine Augen. Und fiel in Ohnmacht.  

 

Als Toni seine Augen wieder öffnete, waren er und das Gummiboot an Land geworfen worden. Toni war pitschnass vom Schwanz bis zur Mähne und alle seine Sachen waren über das Gras verteilt. Doch es hatte immer noch seine Sanduhr. Und was das Wichtigste war: Es war am Leben.  

 

„Was liegst du da und schlägst Wurzeln?“, rief plötzlich eine Stimme. Hinter Toni stand ein großer Mann mit riesigen Oberarmen, einem noch größeren Schnurrbart und über und über mit Seilen und Kletterausrüstung behängt.  

„Das ist eine lange Geschichte, aber eigentlich bin ich auf dem Weg zu Dragos Schloss. Weißt du, wo es ist?“ 

Der große Mann schüttelte den Kopf.  

„Das ist keine gute Idee. Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer und er frisst Menschen und Tiere und er mag keine Limonade und er ist böse und er ist so stark, dass er ein Piratenschiff in die Luft heben und in eine Wüste werfen kann! Und er stinkt fürchterlich aus dem Maul.“ 

Toni unterbrach ihn ungeduldig.  

„Ja, ja, das habe ich schon gehört ... sogar einige Male schon. Doch weißt du, wo Drago wohnt?“ 

„Ich kann es dir zeigen. Wir müssen nur auf den Berg dort steigen, dann kann ich es dir zeigen. Doch wir müssen um die Wette hochklettern. Auf die Wette, fertig, los ...“ 

Toni blickte hoch zum Berg und zeigte auf einige Treppenstufen. 

„Können wir nicht einfach die Treppe nehmen?“ 

Der riesige Mann antwortete nicht, sondern war bereits dabei, auf den Berg zu klettern. Toni zuckte mit den Schultern und lief die Treppe hinauf. Unterwegs kam es an einem Apfelbaum vorbei und pflückte einen schönen, roten Apfel. Es machte auch ein kleines Nickerchen und flötete mit einem Vogel um die Wette, bevor es oben auf dem Berggipfel ankam. 

 

Toni wartete noch eine halbe Stunde und genoss die Sonne, bis der Mann schwitzend und prustend oben auf dem Gipfel ankam. Er wurde sofort sehr ärgerlich. 

„Verdammt, wie hast du es vor mir hier herauf geschafft?“ 

Toni wollte gerade erklären, dass er die Treppe genommen hatte und dass es eigentlich viel bequemer sei als die ganze Kraxelei. Doch der Mann unterbrach ihn.  

„Dann lass uns wieder herunterklettern und sehen, wer als Erster unten ankommt!“ 

Toni dachte schnell nach.  

„In Ordnung, aber zeige mir zuerst schnell Dragos Schloss.“ 

„Ja, ja. Dort ist es!“, sagte der Mann und zeigte in eine Richtung. Dann begann er, in einem fürchterlichen Tempo den Berg wieder hinabzusteigen. Toni schüttelte den Kopf und begann, in die Richtung zu traben, in die der Mann gezeigt hatte. In die Richtung von einem großen, dunklen Schloss ...

Kapitel 8

Toni war eigentlich ganz gut gelaunt, als er sich in die Richtung von dem Schloss aufmachte. Es sah zwar etwas unheimlich aus. Und man hatte das Gefühl, als würden ab und zu Flammen aus dem Dach aufsteigen. Doch zumindest war Toni auf dem richtigen Weg und näherte sich endlich dem Ende seiner Reise. Das kleine Pony hatte viele spannende Menschen getroffen, aber jetzt schien es ihm höchste Zeit zu sein, dass es sein Ziel erreicht.  

 

Gerade als es darüber nachdachte, stolperte es fast über ein Paar lange Beine. Draußen vor einem Zelt saß ein Zauberer mit einem schönen spitzen Hut und den langen Beinen, über die Toni gerade fast gestolpert wäre.  

„Langsam, langsam“, murmelte der Zauberer mit schwacher Stimme. Und seufzte.  

„Hallo“, grüßte Toni munter und wollte schon weiterlaufen, denn es hatte ja nur wenig Zeit. Doch der Zauberer sah so traurig aus, dass Toni stehenblieb.  

„Stimmt etwas nicht?“ 

„Nein, nein, geh nur deines Weges“, seufzte der Zauberer. 

„Mir scheint aber, dass etwas nicht stimmt ...“ 

„Ach, das ist alles sehr schwer zu erklären“, sagte der Zauberer mit noch schwächerer Stimme.  

Toni schielte ein wenig auf die Sanduhr. Er hatte eigentlich keine Zeit, aber der Zauberer tat ihm Leid, weil er so traurig war.  

„Versuche doch, es zu erklären!“ 

Der Zauberer seufzte noch einmal. So tief, dass sein ganzes Zelt zitterte.  

„Ich muss dir sagen, dass ich ein Zauberer bin.“ 

 

Toni nickte. Soweit hatte es alles verstanden.  

„Und deshalb kann ich alles herzaubern. Alles auf der Welt.“ 

„Das klingt ja toll!“, sagte Toni.  

„Ja, das sollte man denken“, sagte der Zauberer.  

„Aber wenn man alles auf der Welt herzaubern kann, fehlt einem niemals etwas. Ich weiß einfach nicht, was ich mir zum Geburtstag wünschen soll. Und wenn man alles auf der Welt herzaubern kann, kann es einem auch ungeheuer langweilig werden.“ 

Toni dachte kurz nach.  

„Vielleicht brauchst du einfach ein Hobby?“ 

Der Zauberer blickte auf.  
„Ein Hobby? Ja ... Das ist vielleicht eine gute Idee.“ 

Toni schnippte – was gar nicht so einfach ist, wenn man Hufe hat und keine Finger. Er hatte eine noch bessere Idee. Er konnte etwas Gesellschaft auf seiner Reise gebrauchen. Und es könnte auch ganz nützlich sein, einen Zauberer als Freund zu haben, wenn sich Drago wirklich als so gefährlich erweisen sollte, wie alle sagten.  

„Vielleicht könnten Abenteuer dein Hobby sein? Dann kannst du mit mir mitkommen und ein solches erleben?“ 

„Das ist eine GROSSARTIGE Idee, mein junger Freund. Lass uns losziehen!“, sagte der Zauberer und sprang auf. 

„Möchtest du überhaupt nicht hören, um was es bei dem Abenteuer geht?“, fragte Toni.  

„Nein, das kannst du mir unterwegs erzählen. Lass uns losziehen.“ 
 

Und so zogen Toni und der Zauberer hinaus ins Abenteuer. Nach genau 24 Schritten hielt der Zauberer an.  

„Was ist los?“ 

Der Zauberer setzte sich auf einen Felsstein.  

„Ach, ich finde es ziemlich anstrengend, immer so zu gehen und zu gehen. Ich habe keine Lust mehr. Und müde bin ich auch.“ 

Toni wollte gerade etwas sagen, als er von einem tiefen Schnarchen unterbrochen wurde. Der Zauberer war eingeschlafen. Toni seufzte und legte den Zauberer Teppich über den Zauberer, damit er nicht friert. Jetzt war Toni wieder allein.  

 

Doch nicht sehr lange. Plötzlich hörte das kleine Pony das Donnern von Hufen hinter sich. Und eine Stimme, die rief: „Stehen bleiben! Sonst ergeht es dir schlecht!“

Kapitel 9

Toni blickte ängstlich über seine Schulter.  

„Stehen bleiben!“, rief die Stimme noch einmal.  

Das kleine Pony wusste nicht genau, was es machen sollte. Einerseits wirkte es ganz logisch, stehenzubleiben, wenn jemand „Stehen bleiben!“ ruft. Andererseits klang die Stimme, die rief, ziemlich verärgert. Das Problem löste sich schließlich von selbst. Während Toni vorsichtig in Richtung von Dragos Schloss weiterging, wurde es von einem riesigen Pferd überholt, auf dem ein echter Ritter saß. Das große Pferd blieb direkt vor Toni stehen, so dass Toni mit der Stirn an den Bauch des Pferde stieß.  

 

„Oh, Entschuldigung!“, sagte Toni, obwohl nicht das kleine Pony es gewesen war, das mitten auf dem Weg stehengeblieben war. Das große Pferd war wütend auf Toni. Der Ritter auf dem Rücken des Pferdes hingegen strahlte über sein ganzes Gesicht. Doch er zog sein Schwert auf eine ziemlich kräftige Weise und zeigte damit auf Toni.  

„Mache dich bereit, zu sterben!“ 

„Äh, wie bitte?“, sagte Toni ängstlich.  

„Du bist ein Drache und ich bin ein Ritter und Ritter kämpfen gegen Drachen und töten sie!“, sagte der Ritter stolz.  

„Aber ... aber ...“ 

Das Ganze schien Toni etwas zu schnell zu gehen.  

„Ich bin kein Drache, ich bin nur ein Pony.“ 

„Du bist aber sowas von ein Drache!“, brüllte der Ritter.  

„Ich kann dir versichern, dass ich keiner bin. Erstens sind Drachen grün, und wie du sehen kannst, bin ich blau“, erklärte Toni.  

Der Ritter kniff seine Augen zusammen.  

„Hmm, eher grünblau, würde ich sagen.“ 

Der Ritter hob wieder sein Schwert.  

„UND du hast Flügel. Du bist ein Drache.“ 

„Ich bin kein Drache, ich schwöre es!“, sagte Toni verzweifelt.  

„Meine Flügel sind winzig und ich kann nicht mal fliegen. Drachen können es. Und schau, ich kann auch nicht Feuer spucken!“ 

Toni pustete und pustete und zeigte, dass keine Flammen aus seinem Mund kamen.  

„Du bist ganz einfach ein Drache und deshalb muss ich dich töten. So sind nun mal die Regeln“, sagte der Ritter und hob sein Schwert.  

 

Toni konnte keinen Gedanken fassen. Er lief einfach los, so schnell seine kleinen Ponybeine konnten. Das war leider nicht sehr schnell, verglichen mit dem großen Pferd des Ritters. Es hatte ihn schnell wieder eingeholt. Toni lief in ein Dickicht und hoffte, dass das große Pferd ihm nicht folgen konnte. Doch es konnte. Toni lief im Zickzack, um den Ritter und das Pferd zu verwirren. Das gelang ihm nicht. Plötzlich kam Toni hinaus auf eine Ebene, auf der es keinen Ort gab, um sich zu verstecken. Es lief so schnell es konnte, doch das Pferd hatte ihn schnell eingeholt. Da stürzte Toni. Das kleine Pony konnte überhaupt nicht darüber nachdenken, ob es sich wehgetan hatte. Es schloss nur die Augen und dachte: „Jetzt ist es aus mit mir.“ 

Kapitel 10

„Entschuldigung, aber was in aller Welt geht hier vor sich?“ 

Toni öffnete vorsichtig seine Augen. Die Stimme kam nicht vom Ritter. Also von dem Ritter mit dem großen Schwert, der Toni tot schlagen wollte, weil er dachte, Toni wäre ein Drache. Das war die Stimme einer jungen Frau.  

 

Toni blickte auf. Oben auf einem hohen Turm stand eine schöne Prinzessin. Mit den Händen in den Hüften und hochgezogenen Augenbrauen.  

„Ja, ich bin es, der mit dir spricht, mein Freund. Was machst du da?“  

Die Prinzessin zeigte auf den Ritter, der von seinem Pferd abgestiegen war. Er zeigte wiederum mit seinem Schwert auf Toni.  

„Guten Tag, schöne Prinzessin, ich war nur gerade dabei, einen gefährlichen Drache zu töten.“ 

Toni wollte gerade etwas sagen, aber der Prinz hatte bereits sein Schwert gehoben, so dass Toni rasch auf die Beine kam und los galoppierte. Immer rund um den Turm der Prinzessin, mit dem Ritter dicht auf den Fersen. Tonis Beine wurden langsam müde, doch dem Ritter schien es nichts auszumachen, denn er lief einfach immer weiter. Bis ein schweres „Bumm!“ erklang und der Ritter „Aua!“ rief und sich über seinen Helm rieb.  

 

„Was war das?“, rief er hinauf zur Prinzessin.  

„Das war eine Apfelsine, die ich dir auf den Kopf geworfen habe. Du kannst offenbar nicht hören, und deshalb musste ich deine Aufmerksamkeit auf eine andere Weise bekommen.“ 

Die Prinzessin zeigte auf Toni.  

„Das ist ein Pony, kein Drache.“ 

Der Ritter grinste und schüttelte den Kopf.  

„Es tut mir sehr Leid, einer echten Prinzessin zu widersprechen, aber hier irrst du dich. Das ist eindeutig ein Drache.“ 
„Das ist keiner.“ 

„Das ist einer.“ 

„Das ist keiner.“ 

 

So ging das weiter, und Toni überlegte gerade, ob es ihm vielleicht gelingt, sich davon zu schleichen, ohne entdeckt zu werden. Doch das große, verärgerte Pferd des Ritters versperrte ihm den Weg.  

Da sah die Prinzessin aus, als hätte sie eine Idee.  

„Hallo, Herr Ritter? Weißt du eigentlich, was die wichtigste Aufgabe eines Ritters ist? Viel wichtiger, als Drachen zu jagen?“ 

„Äh, nein ... Ich glaube nicht“, murmelte der Ritter.  

„Nun, um eine Prinzessin zu werben!“ 

„Äh, ja ... um sie zu werben. Was bedeutet das noch mal ...?“ 

Die Prinzessin seufzte.  

„Du bist nicht gerade der hellste Ritter, den es gibt, oder? Mich zu umwerben bedeutet, dass du dafür sorgen musst, dass ich mich in dich verliebe. Zum Beispiel, indem du ein schönes Lied für mich singst.“ 

„Ach, du meine Güte. Na gut, das schaffe ich!“, sagte der Ritter. Und er begann, zu summen und zu trällern und seine Stimme aufzuwärmen.  

 

Die Prinzessin zwinkerte Toni zu.  

„Jetzt solltest du lieber abhauen. Wohin möchtest du überhaupt?“ 

„Vielen Dank, liebe Prinzessin. Es klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber eigentlich bin ich auf dem Weg zu Dragos Schloss.“ 

Die Prinzessin riss ihre Augen auf.  

„Zu Drago? Drago ist wahnsinnig gefährlich und spuckt Feuer ...“ 

Toni hob eine Hufe in die Luft.  

„Ich möchte dich gleich unterbrechen. Ich weiß, dass Drago gefährlich ist und alles Mögliche. Aber ich habe mir selbst versprochen, dass ich ihn finden werde. Lebe wohl, Prinzessin. Und vielen Dank!“

Kapitel 11

Toni schlich sich davon, so schnell und so lautlos, wie das kleine Pony konnte.  

„So eine nette Prinzessin“, dachte es sich, während es lief. Und es dachte an alle die netten und freundlichen und merkwürdigen Typen, denen es bei seinem Abenteuer begegnet war. An den Ninja, der die Brücke bewachte, den Vampir, der kein Licht vertragen konnte UND Angst vor der Dunkelheit hatte, die abscheuliche Hexe, den redseligen Cowboy, die Piratin Frieda und den Bergsteiger, der aus allem einen Wettstreit machte.  

 

Das war eine spannende Reise gewesen und das kleine Pony hatte viel mehr erlebt, als es jemals in seinem Leben erlebt hatte.  

 

Doch jetzt wurde es langsam wirklich ernst. Toni das Pony näherte sich der Burg des Drachens Drago. Sie war groß und düster und es sah auch so aus, als würden ab und zu Flammen aus dem Dach aufsteigen.  

 

Toni blieb stehen. Das kleine Pony war jetzt wirklich weit weg von Zuhause. Sollte es jetzt nicht besser umkehren? Und zurückgehen in die Ponyschule und für den Rest seiner Tage mit den anderen im Takt traben? Toni dachte lange nach. Nein. Nein, das wollte es nicht. Es hatte sich selbst versprochen, in die Welt hinauszuziehen und den Drachen Drago zu finden und gegen ihn zu kämpfen. Das wollte es jetzt tun. Der Drachen war ja ungeheuer gefährlich, sagten alle. Es würde der Welt also einen Dienst erweisen. Weil Drago offenbar wahnsinnig gefährlich war und Feuer spuckte und Menschen und Tiere fraß und keine Limonade mochte und böse und so stark war, dass er ein Piratenschiff in die Luft heben und in eine Wüste werfen konnte! Und er fürchterlich aus dem Maul stank. In einem Kampf würde er bestimmt auch fiese Tricks anwenden, dachte Toni.  

 

Toni ging weiter, langsam, Schritt für Schritt. Es war, als würden seine Beine ihm nicht so richtig folgen wollen, sondern lieber dort bleiben, wo sie waren. Toni blickte hinab auf seine Hufe.  

„Los, Freunde, es wird schon gehen.“ 
 

Das kleine Pony lief weiter, bis es vor dem Tor zu Dragos Burg stand. Es war ein sehr großes und ziemlich unheimliches Tor und Toni war sich nicht sicher, ob es wirklich wissen wollte, was sich dahinter befand. Trotzdem drückte es die Klingel. Das kleine Pony drückte sie eigentlich ganz vorsichtig, aber es klang, als würden tausend große Glocken zusammenstoßen.  

 

Dann hörte es schwere Schritte. Und es hörte, wie jemand sich am Schloss zu schaffen machte. Und dann öffnete sich das Tor langsam und knarrend ...

Kapitel 12

Toni hielt den Atem an. Die Tür öffnete sich und vor ihm stand der Drache Drago. Er lächelte über das ganze Gesicht.  

„Hallo, wer bist du denn? Möchtest du hineinkommen? Bist du hungrig, soll ich Popcorn machen?“ 

Toni hielt nicht mehr den Atem an, machte aber stattdessen sein Maul auf und dann wieder zu.  

„Äh ... also ... ja, ich komme gern herein. Und hungrig bin ich eigentlich auch.“ 
„Na, dann komme gern herein. Ich glaube, dass ich auch noch Limonade im Kühlschrank habe, falls du Durst hast.“ 

„Oh ja, sehr gern“, stotterte Toni.  

 

Drago führte ihn stolz durch seine Burg und wirkte insgesamt ausnehmend freundlich. Toni kam das merkwürdig vor. Er fasste etwas Mut und sagte: 

„Du, Drago?“ 
„Ja?“ 

„Ich habe eigentlich geglaubt, dass du ... gefährlich bist. Und dass du keine Limonade magst und solche Sachen.“ 

Drago grinste.  

„Ach ja, das glauben viele. Es scheint so zu sein, dass die Menschen hässlich über Dinge sprechen, vor denen sie Angst haben. Ich selbst halte mich eigentlich für sehr nett, aber jedes Mal, wenn ich anderen begegne, laufen sie vor mir weg, so dass ich es gar schaffe, ihnen zu erzählen, dass ich überhaupt nicht gefährlich bin. Mich besucht auch niemand. Du bist der Erste überhaupt.“  

„Das tut mir Leid für dich“, sagte Toni ernst.  

Drago zuckte mit den Schultern.  

„Tja, so ist das nun einmal. Aber es hat auch viele coole Seiten, ein Drache zu sein. Zum Beispiel kann ich zaubern! Drachenzauberei ist megacool. Möchtest du es einmal sehen?“ 

Und ob Toni das wollte.  

„Was soll ich herzaubern? Du bestimmst!“ 

Toni dachte kurz nach.  

„Ein Eis?“, schlug das kleine Pony vor. Weil es cool wäre zu sehen, wie ein Eis hergezaubert wird, aber auch weil es Lust auf ein Eis hatte.  

„Tolle Idee, ich liebe auch Eis! Bist du bereit?“ 

Das war Toni.  

„3 - 2 - 1 - los!“, sagte Drago und schwang seinen Zauberstab.  

Kleine Rauchschwaden bildeten sich und mitten auf dem Boden stand ... ein Fahrrad.  

„Mist. Warte, ich versuche es noch einmal. 3 - 2 - 1 - los!“ 

Drago schwang wieder seinen Zauberstab. Und zauberte einen großen Hut her.  

„Ach Mann, ich bin etwas aus der Übung, aber eigentlich kann ich es. Moment. 3 - 2 - 1 - los!“ 

Und schon hatte Drago eine Lampe hergezaubert. Und alle möglichen anderen Sachen. Drago gelang es nie, ein Eis herzuzaubern, aber das machte nichts, denn es machte einfach so viel Spaß, die Zauberkünste zu beobachten. Drago und Toni aßen Popcorn und tranken Limonade und hatten viel Spaß zusammen. Bis Toni auf die Sanduhr aus seinem Rucksack schaute. Der Sand rieselte und rieselte und es war nicht mehr viel Zeit übrig. Das kleine Pony hatte eine Idee! 

„Drago? Wir sind Freunde, oder?“ 

Drago rülpste ein wenig, so das einige Flammen aus seinem Mund kamen. Toni verlor dabei beinahe seine Mähne. 

„Oh, entschuldige, die Flammen lassen sich nicht so leicht steuern. Doch, was deine Frage betrifft: Wir kennen uns noch nicht so lange, aber ja, wir sind unbedingt Freunde.“ 

„Kannst du mir bei etwas helfen?“ 

„Aber natürlich!“ 

„Toll! Danke, Drago. Kannst du nicht schnell eine Tasche packen. Wir müssen nämlich schnell los!“ 

Kapitel 13

Drago und Toni machten sich auf den Weg.  

„Warum müssen wir jetzt den ganzen Weg zur Ponyschule laufen, Toni?“, fragte Drago.  

„Ich möchte den anderen Ponys erzählen, wie wunderbar und magisch die Welt ist. Alles, was sie tun werden ist, den Rest ihrer Tage zu traben. Kannst du dir das vorstellen? Dass das das Einzige ist, was du in deinem Leben tun wirst?“ 

„Nein, das klingt einfach ungeheuer langweilig.“ 

„Genau, Drago, und deshalb werden wir sie davon abhalten, auf ewig nur zu traben! Ich habe mir das so gedacht: Kann ich mich nicht einfach auf deinen Rücken setzen, damit du uns dorthin fliegen kannst?“ 

Drago blieb stehen und sah plötzlich sehr ernst aus.  

„Nein, DAS geht nicht. Drachen fliegen NIEMALS mit jemand auf dem Rücken. Das machen wir einfach nicht, das ist eine Regel.“ 

Toni dachte kurz nach.  

„Na gut. Dann habe ich einen anderen Plan: Wir gehen einfach denselben Weg zurück, den ich gekommen bin, um zu deiner Burg zu kommen.“ 

Drago pfiff. Das machte er oft, wenn jemand etwas Schlaues sagte, und das machte Toni sehr oft. Währenddessen wühlte das kleine Pony in seiner Tasche. Es fand ein Brille und einen falschen Schnurrbart. Beides setzte es Drago auf.  

 

„Wozu soll das dienen?“, fragte Drago.  

„Wir müssen an einem Ritter vorbei, dem der Sinn danach ist, Drachen zu töten. Deshalb verkleiden wir dich.“ 

„Ein Ritter!“, rief Drago so laut, dass Flammen aus seinem Mund kamen. Dadurch verbrannte die Krone eines Tannenbaums.  

„Er soll nur kommen! Drachen haben überhaupt keine Angst vor nichts und niemandem ... außer vielleicht vor Schlangen. Aber nicht vor Rittern!“ 

Toni klopfte Drago auf die Schulter.  

„Natürlich hast du keine Angst vor nichts und niemanden, aber wir haben keine Zeit, um uns mit Rittern herumzuschlagen. Wir müssen nach Hause in die Ponyschule.“ 

 

Und so schlichen sich Toni und Drago am Ritter vorbei, der immer noch dastand und Lieder für die Prinzessin sang. Doch der Ritter fiel nicht auf Tonis schlaue Verkleidung herein. Er konnte gut erkennen, dass Drago ein Drache war, und zog sofort sein Schwert.  

„Jetzt bist du erledigt, Drache!“, rief er.  

„Ach ja, bin ich das?“, sagte Drago und plusterte sich auf. Auch der Ritter plusterte sich auf und kam näher und näher, mit gezücktem Schwert. Doch kurz, bevor sie zusammenstoßen würden, schrie die Prinzessin so laut, dass die Fenster im Turm sprangen und Drago und Ritter stehen blieben. Toni und die Prinzessin stellten sich zwischen Drago und den Ritter auf.  

„Was macht ihr hier eigentlich?“, fragte Toni.  

„Er ist ein Drache und ich bin ein Ritter. Und darum werden wir miteinander kämpfen“, sagte der Ritter. 

„Warum?”, fragte Toni. 

„Was meinst du damit? Ich bin ein Drache und er ist ein Ritter, und darum werden wir miteinander kämpfen“, sagte Drago.  

„So ist das nun mal“, sagten Drago und der Ritter im Chor, was beide ziemlich witzig fanden.  

„Mein lieber Ritter“, unterbrach sie die Prinzessin. „Wie ich es verstanden habe, haben es Toni das Pony und der Drache Drago eilig, um nach Hause in die Ponyschule zu kommen.“ 

„Ach ja?“, sagte der Ritter. 

„Und gerade klang dein schöner Gesang so gut“, sagte sie weiter. 

„Tatsächlich?“, fragte der Ritter.  

„Ja!“ sagte die Prinzessin.  

„Wirklich?“, fragte der Ritter.  

„Kannst du die kleine Pfütze dahinten sehen?“, fragte die Prinzessin und zeigte auf eine sehr kleine Pfütze. Der Ritter ging hin, um sie sich genauer anzusehen.  

„Das sind meine Tränen, weil ich von den Liedern, die du für mich gesungen hast, so gerührt bin.“ 

„Tatsächlich?“, fragte der Ritter. 

„Ja! Du warst dabei, mein Herz zu gewinnen, und wenn du so weiter machst, können wir glücklich und zufrieden bis ans Ende unserer Tage zusammenleben.“ 

„Können wir das? Das klingt ja wunderbar“, sagte der Ritter.  

„Dann singe ich sofort weiter, wenn ich diesen Drache erlegt habe.“ 

„Nein! Ich kann mich nicht in einen Ritter verlieben, der einen so schönen Drache wie Drago erschlägt“, sagte die Prinzessin.  

Der Ritter blickte erst auf Drago und dann auf die Prinzessin. Und dann auf Toni und auf Drago.  

„Findet ihr auch, dass ich schön singe?“, fragte er. 

„Ja, sehr sogar“, sagte Toni. 

„Nein, du singst richtig schlecht“, sagte Drago.  

„WAS sagst du da?“, rief der Ritter und bekam wieder einen feuerroten Kopf.  

 

Toni gab Drago einen kleinen Stoß in die Seite, um ihm verstehen zu geben, auf was das hier hinauslaufen würde. Drago räusperte sich.  

„Also ... Du singst vielleicht noch nicht so schön, aber Übung macht den Meister! Und falls du das Herz der Prinzessin gewinnen willst, wäre es vielleicht besser, wenn wir beide nicht miteinander kämpfen und du stattdessen weiter übst, zu singen.“ 

Toni flüsterte: „Gut gerettet, Drago!“ 

„Ich setze mich hier für einen Augenblick hin und schließe die Augen. Ich bin gerade etwas unsicher, was das Ziel im Leben für einen Ritter sein soll. Soll ich gegen Drachen kämpfen oder das Herz der Prinzessin gewinnen?“, seufzte der Ritter und setzte sich mit geschlossenen Augen vor den Turm. Die Prinzessin zwinkerte Toni zu, und das kleine Pony drehte sich zu Drago um: 

„Ich glaube, wir sollten weiter, Drago. Dann beantwortet sich die Frage des Ritters von selbst.“  

 

Und so entfernten sie sich vom Turm und ließen den Ritter in seinen Gedanken zurück, während die Prinzessin ihn sanft über die Wangen streichelte. Das war sehr schön für den Ritter. 

 

Kapitel 14